Manolo

Manolo kommt nach Deutschland

Ich möchte hier erzählen, wie wir zu unserem Zweithund kamen.

Da unser Ersthund Mogly Hundekumpels beiderlei Geschlechts und egal welchen Alters liebte war klar, dass irgend wann ein zweiter Hund in unsere Familie kommt. Nachdem sich beim ersten Hund die Familie durchgesetzt hatte war nun ich am Zug, denn ich wollte unbedingt ein älteres Tier aufnehmen. Hunde die älter als 2/3 Jahre sind haben einen schweren Stand in der Vermittlung. Also machte ich mich auf die Suche. Da ich nicht mit dem Auto von Tierheim zu Tierheim pilgern wollte setzte ich mich an den PC und blätterte Internetseiten.Es gibt wirklich unendlich viele Tierschutzseiten, aber irgendwann landete ich auf eine Seite die "Tierwaisen" hieß. Dort blieb mein Blick an einem Bild hängen das einen braunen Hund auf Kies liegend zeigte. Vielleicht sprach mich dieser Hund an, weil er von der Farbe unserem Mogly sehr ähnelte. Also las ich den Text unter dem Bild.

Dort stand: Tor ist wirklich eine arme Socke. Er wurde abgegeben,da seine Familie aus einem Haus in eine Wohnung umzog. Dahin konnten sie ihn natürlich nicht mitnehmen, denn das hätte ja bedeutet, mit dem Hund regelmäßig Gassi gehen zu müssen usw. Dort, wo sie früher wohnten, lebte er auf dem Grundstück beim Haus und das war`s. Das macht nicht so viel Arbeit.
Nun lebt er schon seit fast drei Jahren im Tierheim, mehr schlecht als recht, denn er ist nicht der Hund, der sich im Rudel so richtig wohlfühlt. Aber er ist auch nicht der Hund, auf den die Leute, die einen Hund suchen, aufmerksam werden, da er weder vom Aussehen noch vom Wesen her auffallend ist. Er ist zurückhaltend und schüchtern, aber wenn man sich ihm zuwendet, genießt er sichtlich die Aufmerksamkeit und die Streicheleinheiten. Aber im Rudel lässt er sich sofort wegdrücken. Er selbst hat keine Probleme mit Artgenossen und sucht keinen Streit, trotzdem hat er hin und wieder schon mal von anderen etwas einstecken müssen, das ist das Traurige.
Aufenthalt: Tierheim Granada/Spanien. Tor ist geimpft und gechipt.

Genau das sollte mein Hund werden. Ca 9 Jahre alt war Tor. Mir brannten einige Fragen auf der Seele.War der Hund noch zu vermitteln? War der Hund gesund? Würde er so eine große Veränderung in seinem Hundeleben noch verkraften? Und wie kommt der Hund zu mir? Also eine Email an die angegebene Kontaktadresse geschrieben und warten. Vermittelt wurde der Hund über eine deutsche Tierschutzorganisation mit Sitz in Berlin. Kaum 24 Stunden nach absenden der Mail kam schon die Antwort. Ja, der Hund war noch im Tierheim, meine Mail war die erste Anfrage seit drei Jahren für diesen armen Kerl. Was die Gesundheit anbetraf musste Tor noch beim Tierarzt vorgestellt werden. Ein Bluttest würde Auskunft über Mittelmeerkrankheiten geben. Ein Generalcheck würde seinen körperlichen Gesundheitszustand klären und kastriert werden sollte er noch. Über einen Flugpaten sollte Tor nach Deutschland reisen. Durch meine spätere Arbeit im Tierschutz weiß ich heute, dass das das größte Problem war. Leider gibt es zu wenig Menschen, die sich bereit erklären, für sie völlig kostenlos, als Flugpate zu fungieren. Aber im Juni 2006 war es dann soweit, Tor flog Ende des Monats nach Frankfurt. Dort holte ich ihn mitten in der Nacht ab. Bei meinem ersten Blick in die Flugbox war ich entsetzt. War das überhaupt der Hund den ich wollte. Schnell das Ding geöffnet und tief durchgeatmet. Es war mein Hund. Durch die Beruhigungstabletten die er für den Flug bekommen hatte war er benommen und sehr müde. Wie bekomme ich den Hund jetzt ins Auto war mein nächster Gedanke. Laufen war unmöglich. Zum Glück begleitete mich meine Tochter zum Flughafen. Sie lief mit Gepäckwagen zum Auto, packte unsere Transportbox drauf und kam zurück. Dann Hund aus der einen Kiste raus in die andere Kiste rein und zurück zum Auto. Jetzt nichts wie nach Hause. Ja, nun war mein Hund also da. Schon bevor er ankam hatte ich beschlossen, wenn der Hund schon ganz von vorne anfangen muss soll er auch einen neuen Namen bekommen. Wir wollten keine Altlasten mitnehmen und so wurde aus Tor Manolo.

Manolos erster Tag in Deutschland

Als wir endlich vom Flughafen Frankfurt wegkamen war es 1.30 sonntags. Zu Hause waren wir eine Stunde später. Daheim war Manolo wieder so weit fit, dass er auf seinen eigenen Pfoten Box und Auto verlassen konnte. Bevor wir ins Haus gingen, kam einer unserer Kater gesprungen um uns zu begrüßen. Manolo hat das wohl nicht richtig mit bekommen und blieb völlig unberührt. Wir dachten: Fein,das Tierheim hat mit seiner Einschätzung recht gehabt und Manolo ist katzenverträglich. Wir sollten später eines Besseren belehrt werden:-). Erst nochmal schnell auf den Grünstreifen, damit Manolo Pipi machen konnte, war aber nicht. Also rein, Hund in Tochters Zimmer gepackt, noch ein bisschen Trockenfutter angeboten (wurde dankbar angenommen) und dann nichts wie ins Bett,inzwischen war es nach 3. Ich schlief schlecht (war viel zu aufgedreht)und war gegen 10 schon wieder auf den Beinen. Aus dem Zimmer meiner Tochter war zunächst kein Pieps zu hören. Eine halbe Stunde später stand meine Tochter in der Küche. Sie zog ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. Ich fragte vorsichtig ob Manolo vielleicht in ihr Zimmer gemacht hätte." Der hat literweise auf meinen Teppich gepinkelt", Zitat meiner Tochter:-). Diplomatie war angesagt: Macht nix, roll ihn zusammen, ich bring ihn morgen in die Reinigung.O.K., Thema abgehakt. Dann holte ich Manolo aber doch aus dem Zimmer, nicht, dass noch ein größeres Malheur passiert. Also ab in den Garten. Kaum ließ ich ihn raus erspähte er unseren Kater und stürzte mit lautem "Gebrüll" auf ihn zu. Dem Himmel sei Dank, unser Kater ist schlank, wendig und schnell. Wie war das mit der Katzenverträglichkeit? Erstmal Hund einfangen Leine dran(Geschirr hatte er noch an, Vorsichtsmaßnahme gegen ausbüchsen). Unser Ersthund Mogly hatte inzwischen mitbekommen, das irgend etwas los war im Garten. Mein Mann kam mit ihm dazu. Vorsichtiges Schnüffeln und dann mit beiden auf zur Pipirunde. Mogly pieselte schön vor und Manolo oben drüber. Auch das große Geschäftchen wurde draußen erledigt. Manolo hat nie wieder irgend etwas ins Haus gemacht, eine erstaunliche Leistung für einen Hund, der noch nie im Haus gelebt hat. Zuhause gab`s Futter für beide und danach legte Manolo sich auf die Terasse (Kater war wohlweislich verpackt) und schlief wieder. Er war von seiner Reise und den vielen neuen Eindrücken doch sehr erschöpft. Mittags gings wieder raus, wir wollten in den Wald, der nur 5 min Fußweg von uns entfernt war (es war Juni und im Dorf unerträglich heiß.)Auf dem Weg dort hin trafen wir zwei Freunde von Mogly, Bearded Collies, ein Rüde und eine Hündin. Sowie wir auf Schnüffelhöhe waren brummte Manolo die Hündin an, sie war ihm zu stürmisch. Wie stand das in der Beschreibung? Er hat keine Probleme mit Artgenossen? Na, nicht überbewerten, der arme Kerl hat Stress, ist ja alles neu. Nach der Hundebegegnung allerdings schlich Manolo mit eingezogenem Schwanz weiter. Muteten wir ihm für den ersten Tag zuviel zu? Aber raus mussten die Hunde ja. Also weiter. Im Wald dann wurde Manolo wieder munterer. Als er einen Vogel auf dem Boden hüpfen sah, wedelte er das erste Mal mit dem Schwanz und sprang drauf zu. Oh, Alarmglocken klingeln, Jagdtrieb. Naja, ist ja angeleint, kann nix passieren, freuen wir uns einfach,dass er Spaß hat. Weiter geht`s. Den Rest des Spaziergangs verhielt sich Manolo ruhig. Am späten Nachmittag ging`s nochmal kurz Pipi machen, Abendessen, Pipi machen. Ende des ersten Tages, wir hatten alle noch Schlaf nach zu holen.

 

 

 

 

 

Und noch mehr Manolo

Manolo und seiner Erziehung sind eine besondere Geschichte. Zuerst mussten wir uns mal kennen lernen. Wie schon bei Mogly gehandhabt sollte auch Manolo die erste Zeit nicht auf`s Sofa, nicht ins Schlafzimmer und nicht ins Bett. Manolo war genau 3 Tage da als ich abends ins Schlafzimmer kam. Mein Mann und Mogyl lagen schon im Bett uund Manolo. Ich stutzte, denn mein Mann lag in meinem Bett, Manolo lag in seinem und war sogar zugedeckt. Ich schaute meinen Mann fragend an und dann kam folgendes:" Du kannst doch nicht so ungerecht sein. Mogly darf zu uns ins Bett und der aaaaaaaaaarme Manolo muss unten gaaaanz allein im Wohnzimmer liegen." O.K.", sagte ich, "aber dann legst du dich in dein Bett zu ihm". Ich sollte vielleicht erwähnen, dass wir in den drei Tagen bereits festgestellt haben, dass Manolo ein Problem mit Männern hatte, besonders mit kleinen, kräftigen:-)." Ach, ich dachte du schmust mit ihm", O-Ton meines Mannes. "Iiiiiiiiiich will ihn die erste Zeit gar nicht hier (im Schlafzimmer) haben, dass mach` mal schön selber". Mein Mann schaute mich etwas zweifelnd und flehend an, aber ich blieb unerbittlich. Also stapfte er auf sein Bett zu. Schon bei dem Versuch die Bettdecke an zu heben knurrte Manolo. Ich grinste, mein Mann:" Was soll ich denn jetzt machen?" "Du musst dir Gehör verschaffen". "Wie?" " Ich würde ihn wieder aus dem Bett schicken". "Ja wie denn? Der hat Angst und knurrt". " Wenn ich dir jetzt helfe, gehorchst du dann wenn ich irgend welche Regeln aufstelle?" "Jaaaa". O.K., also erklärte ich meinem Mann warum sich Manolo meiner Ansicht nach so verhielt. Erstens war Manolo noch sehr unsicher, er wusste ja noch nicht, dass er hier nicht geschlagen , getreten oder sonstiges wird. Zweitens musste Manolo ausprobieren wie weit er mit wem gehen kann. Deshalb gibt es bei mir für jeden Neuankömmling klare Regeln, die im Laufe der Zeit gelockert werden können. Körperliche Gewalt gegen jedwedes Lebewesen lehne ich ab, aber die Stimme des Menschen ist eine hervorragende Waffe um sich Respekt und Gehör zu verschaffen. Mein Mann sollte also einmal laut werden, wobei es völlig egal war was er brüllte. "Manolo raus", schallte durch`s Haus. Der Erfolg war bombig. Manolo erschrak so, dass er wie ein geölter Blitz aus Bett und Schlafzimmer sauste,die Treppe runter. Auf dem Podest fühlte sich Manolo wieder sicher und verharrte." So", sagte ich," das war der erste Schritt, Manolo soll aber nicht mit was negativem abschließen. Du wartest jetzt etwas und dann holst du ihn wieder". Gesagt getan mein Mann holte Manolo einige Minuten später wieder ins Schlafzimmer. Zuerst traute sich Manolo nicht auf`s Bett. Ich riet meinem Mann:" Leg du dich ins Bett und dann gestatte ihm sich zu dir zulegen". Manolo schaute ganz ungläubig stieg vorsichtig ins Bett und drückte sich gaaaaaaaaanz doll an meinen Mann. Manolo hat meinen Mann nie wieder angeknurrt. Seitdem schläft Manolo natürlich auch bei uns im Bett:-).Und mein Mann hat gelernt auf mich zu hören, manchmal wenigstens:-)).Zu meinem Mann hat Manolo heute ein inniges Verhältnis. Es ist eine Freude Manolo zu zuschauen, wenn mein Mann vom Arbeiten Nachhause kommt und Manolo shakert mit meinem Mann. Da wird gequietscht, gegrunzt und gebrummt bis mein Mann ihn begrüßt. dann wirft Manolo sich auf den Rücken und lässt sich den Bauch kraulen.

Eine andere Regel die ich aufstellte war: Neue Hunde werden mindestens 8-10 Wochen an der Leine gehalten, das Tier muss schließlich erst eine Bindung zu uns aufbauen und Vertrauen fassen. Manolo war 3 Wochen bei uns als mein Mann mit beiden Hunden eine kleine Runde drehen wollte. Er war mit beiden etwa 10 min unterwegs, als mein Handy klingelte:" Ela komm schnell auf die Strasse, Manolo ist weggelaufen, er kommt zu dir". Waaaaaaaaaaas, wieso war Manolo ohne Leine. Ich stürmte auf die Strasse uuuuuuuuuuuund, da kam mein Manolo schon angesaust. Er wedelte mit dem Schwanz und rannte auf mich zu: Juhu, schau mal, ich bin wieder da, ich hab dich gefunden:-)))))). Ich rief ihn leise:" Feiner Junge, komm hiiiiiiiiiier", und er kam. Ich lief zur Tür und er sprang rein. Puh, erst mal Luft holen, Mann anrufen und Entwarnung geben. Als er ein paar Minuten später auch Zuhause war fuhr ich ihn wütend an:" Wieso war Manolo ohne Leine?" " Ich hab Mogly auf dem Feld springen lassen und fand es ungerecht Manolo an der Leine zu lassen". Aaaaaaaaaaa. Der Gerechtigkeitssinn meines Manns geht schon eigenartige Wege. Ein mahnendes Wort und Thema abgehakt. Ein halbes Jahr später wurde das Ableinen schrittweise trainiert und heute läuft Manolo die meiste Zeit frei.

Im April 2007 besuchte ich mit Mogly die Hundeschule, da ich mit ihm im Herbst die Begleithundeprüfung ablegen wollte. Manolo nahm ich immer mit, damit er nicht alleine Zuhause sass. Er sollte eigentlich nicht an den Übungsstunden teilnehmen, da ich dachte, das würde ihm zu viel, Manolo war immerhin schon 10 Jahre alt. Die Trainerin bot mir an ihn doch einfach mitlaufen zulassen, macht er mit wäre es in Ordnung, wenn nicht auch gut, hätte er wenigstens Kontakt zu Artgenossen. Gesagt getan, während Mogly trainierte lag Manolo brav dabei oder stromerte über den Platz. Manchmal wurde Manolo ins Training mit einbezogen, so lernte er "Sitz", "Platz", "Bleib" und "Hier",immer nur so lange wie Manolo mit Spaß dabei war. Leider kam es im Herbst zu einem unerfreulichen Zwischenfall. Unsere Hundetrainerin versucht immer Problemhunde mit in die Gruppe zu integrieren. Der Integration gehen immer lange Einzelstunden voraus. Na, also wir bekamen eine Dame mit eine Boxerhündin dazu. Die Hündin sollte schrittweise an die Gruppe herangeführt werden. Dazu wurde sie in einiger Entfernung zu uns abgesetzt. Dort sollte sie abgelenkt werden und sich auf ihre Besitzerin konzentrieren. Wir übten mit unseren Hunden abliegen, sich entfernen und Hund wieder zu sich her rufen. Den Boxer beachteten wir nicht. Ich hatte meinen Mogly gerade abgelegt, mich entfernt und hatte die Absicht Mogly abzurufen. Manolo lag brav neben mir. Ich rief Mogly und in dem Moment, als Mogly loslief machte der Boxer einen Satz, riss sich los und stürmte auf Mogly zu. Nun hat Mogly ein supertolles Sozialverhalten und auch ein Gespür dafür, wenn`s brenzig wird. Er blieb also sofort stehen und beschwichtigte den Boxer. Die Hündin war verunsichert und ließ von Mogly ab. Leider suchte sich die Hündin dann ein anderes Opfer, ausgerechnet meinen Manolo. Durch seine Vorgeschichte legt Manolo sich leider nicht ab und ordnet sich unter sondern geht bellend nach vorne. Die Hündin stürzte sich auf Manolo und warf sich mit ihrer ganzen Masse auf ihn drauf. Ich war zuerst starr vor Schrecken. Dann wollte Mogly auch noch Manolo zu Hilfe eilen. Schnell kam ich zu mir rief Mogly ab und leinte ihn an. Die Hundetrainerin kümmerte sich inzwischen um die beiden Kampfhähne. Sie bekam die Hündin an den Hinterbeinen zu fassen, zog sie weg und die Besitzerin konnte sie anleinen. Hund und Besitzer entfernten sich erstmal vom Geschehen. Ich rief Manolo zu mir und untersuchte ihn auf Verletzungen. Außer einen Kratzer hatte Manolo nichts abbekommen. Ich war fix und fertig, aber um Manolo nicht mit einen negativen Ereignis aus dem Hundetraining zunehmen blieb ich bis zum Ende der Stunde. Die Boxerbesitzerin kam noch um sich bei mir zu entschuldigen und danach fuhr ich heim. Manolo ging noch einige Male mit zu den Trainingsstunden, aber seit diesem Vorfall bellte Manolo komischer Weise an der Leine, wenn ihm fremde Hunde begegneten. Bei dem Zwischenfall war Manolo nicht angeleint. Dieses Verhalten zeigt er bis heute. Leint man ihn ab und er kann selbst agieren, entscheiden was er tut, ist er ruhig, fiept und geht freundlich und hocherhobenen Schwanzes (also sehr selbstsicher) auf die Hunde zu.

 

Manolo geht am 18.02.2009 über die Regenbogenbrücke

Am Dienstag fühlte sich unser Manolo nicht wohl. Zuerst machte ich mir keine Sorgen, denn Manolo hatte einen Darminfekt zu verarbeiten und das schlaucht. Abends wurde ich dann das erste Mal hellhörig,als Manolo nicht fressen wollte. Ich dachte noch: Naja, drei Tage Schonkost, Flocken mit geriebener Karotte fänd ich auch nicht so toll. Also habe ich ein wenig Nassfutter untergemischt und er fraß wieder. Entwarnung. Aber von da an ließ ich Manolo nicht mehr aus den Augen. Gegen 20 Uhr viel mir auf, dass Manolo sehr schlapp und müde war. Ich rief ihn vom Sofa runter und da hatte Manolo schon Kreislaufprobleme. Er schwankte. Als ich ihm ins Maul schaute, sah ich kleine rote Pünktchen in der Maulschleimhaut. Ich wusste sofort,dass das Einblutungen waren und auf eine Gerinnungsstörung hinwies. Ich bin sofort mit Manolo in die nächste Tierklinik gefahren. Dort wurde er mit Vitamin K versorgt wegen Verdacht auf Aufnahme von Rattengift, sein Kreislauf wurde stabilisiert. Auch geröntgt wurde er. Dabei sah man eine Zubildung zwischen Leber und Milz. Um das abzuklären musst ich am nächsten Tag nochmal in die Klinik. Dienstags fuhr ich mit Manolo heim. Mittwochs dann bekam Manolo wieder Infusionen und einen Ultraschall. Dabei wurde dann ein Milztumor festgestellt, der geplatzt war. Ich musste mich entscheiden, ob ich Manolo operieren lasse oder ob ich ihn schmerzfrei einschlafen lasse. Manolo war schon in so schlechtem Zustand, dass er zu erst eine Bluttransfusion gebraucht hätte. Es war nicht klar ob er diese vertragen würde. Manolo hätte frühestens am Freitag  operiert werden können. Er hätte die ganze Zeit in der Klinik bleiben müssen und das wo Manolo noch nie länger als eine Stunde von mir weg war. Ob er die OP überlebt hätte ist ungewiss. Frühestens Dienstag hätte Manolo nach Hause gedurft. Ob der Tumor gut- oder bösartig ist hätte man erst nach der OP feststellen können. Wäre das Ding bösartig gewesen hätte Manolo maximal 1/4 Jahr Zeit gewonnen um dann schmerzvoll zu sterben. Ob die OP-Wunde geheilt wäre ist wegen der Gerinnungsstörung unklar gewesen. Alles in allem wollte ich meinem Manolo das  nicht mehr antun und habe ihn deshalb einschläfern lassen

 
Manolos liebenswerte Macken.

Manolo hat während seiner Zeit bei uns Eigenheiten entwickelt, die ich nicht vorenthalten möchte.

Von Anfang an z. B. hat Manolo es geliebt, sich ein Plüschtier zu schnappen, dieses in den Garten auf den Rasen zu schleppen, um sich dann mit Wonne drauf zu schmeißen und darauf zu wälzen. Danach hob er das Plüschtier auf und sauste damit im Garten auf und ab, bis ihm die Puste ausging.
Hatte er sich ausgetobt trug er seine Beute unter die Hecke und  vergrub sie. Dann legte er sich zufrieden auf den Rasen und schlief. Später grub er die Teile wieder aus, um sie genüsslich zu zerfetzen.
Manolo war ein Hund, der viel bellte. In den ersten Tagen hat man kaum was von ihm gehört. Das erste Mal bellen hörten wir Manolo, als Mogly schwimmen ging. Manolo lief ganz aufgeregt am Ufer entlang und "rief" Mogly. In seinem einzigen großen Urlaub mit uns war es sein größtes Vergnügen bellend am Nordseestrand entlang zu flitzen und die Wellen zu fangen oder aus den Wellen Stöckchen zu "retten". Dabei achtete er darauf nie weiter als bis zum Bauch ins Wasser zu gehen. Geschwommen ist Manolo nie.
 Von da an gab es viele Situationen in den Manolo bellte. Er bellte z.B. wenn er fremde Hunde sah. Wir hatten immer das Gefühl er "fragt":" Hallo hier bin ich, wer bist du?" War der andere Hund freundlich ging Manolo hoch erhobenen Schwanzes und quietschend auf den Artgenossen zu. War der andere Hund grantig machte Manolo sich dünne. Kritisch wurde es bei dominanten Rüden. Manolo bekam Panik, wenn er sich unterwerfen
sollte. Er hat sich nie auf den Rücken gelegt sondern wollte am liebsten weglaufen. Wir sind grimmigen Rüden, nachdem wir das begriffen haben immer aus dem Weg gegangen, denn eine Beisserei wollte ich Manolo ersparen. Er war sowieso ein recht unsicherer Hund und deshalb haben wir besonders darauf geachtet ihn nicht zusätzlich zu verunsichern.
Manolo bellte auch, wenn er etwas haben wollte. Beim Autofahren fing er auf der Heimfahrt ab einer bestimmten Straße an zu bellen als ob er sagen wollte: Nu mach` mal hinne, ich will heim.
Lag Manolo auf dem Sofa, es klingelte an der Haustür und er merkte, dass da jemand Bekanntes war machte er solange Theater, bis der jenige zum Sofa kam und ihn streichelte.
 


Um die Menschen zum Sofa zu locken hat Manolo sich  eine besondere Macke angeeignet. Er hatte einen Plüschelch. Dieses Untier bekam er von seinem Futtermittellieferanten zu Weihnachten geschenkt. Manolo nahm ihn abends immer mit ins Bett und trug ihn morgens wieder runter auf das Sofa. Wollte er nun, dass sich jemand zu ihm setzt schnappte sich Manolo den Elch und kam damit in die Küche getrabt. Dann fing er an zu quietschen bis jemand reagierte. Danach lief er mit Elch wieder Richtung Sofa. Diese Spiel trieb er solange bis man sich erbarmte und mit ihm zum Sofa ging. Manolo legte sich nun brav ab und ließ sich ausgiebig schmusen.
Diese Quitschen setzte Manolo auch ein, wenn mein Mann nach Hause kam. Er machte so lange Theater, bis mein Mann ihn begrüßte. Bei meinem Mann schmiss er sich dann auf den Rücken und ließ sich ausgiebig den Bauch kraulen. Wenn man weiß, dass Manolo Angst vor kleinen untersetzten Männer hatte, kann man verstehen, was für eine besondere Beziehung Manolo zu meinem Mann auf gebaut hat. Abends genossen die beiden immer ihren "Gute Nacht Spaziergang". Oft zog mein Mann ohne Leine mit ihm los, wo mir häufig der Atem stockte. Die beiden striffen dann durch`s Wohngebiet bis Manolo keine Lust mehr hatte und den Heimweg antrat.
Die Leine war auch so eine Geschichte. Außer von mir ließ sich Manolo von anderen äußerst ungern bzw gar nicht anleinen. Das hatte zur Folge, dass Manolo mehrmals ohne seinen Gassigänger nach Hause kam. Meine Söhne hatten es immer gut gemeint und Manolo auf Wiesen gerne abgeleint, damit er frei laufen konnte. Wenn Manolo dann der Meinung war er wäre genug draussen gewesen drehte er einfach um und lief heim. Die Jungs konnten Manolo rufen und locken soviel sie wollten, anleinen war nicht drin. So  blieb ihnen nichts übrig, als die Beine in die Hand zunehmen und hinter ihm her zu hechten. Meine Söhne hatten immer ein Handy bei sich um Bescheid zu sagen: Manolo ist auf dem Heimweg.
Da er immer einen bestimmten Weg einschlug konnte ich ihm entgegenlaufen und vor der Straße abfangen. Was hat Manolo sich gefreut, wenn er mich sah. Man hatte wirklich den Eindruck er rief: Juhu, guck mal ich komme.
Da wir auf dem Dorf wohnen konnten wir diese Macke gelassen nehmen. Es gibt bei uns keine vielbefahrenen Straßen.    

 


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