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 Wie verhalten sich Hunde wenn sie weggelaufen sind ??????

Es gibt eine allgemein sehr gültige Aussage und fast immer stimmt sie.

Sind die Hunde weggelaufen werden sie zum Ort des Weglaufens zurückkehren, meistens sogar mehrfach. Sie müssen am Ort des Verschwindens jemanden positionieren, der die Ruhe und die Geduld hat, dort zu sitzen und zu warten und gar zu warten und zu warten. Es sollte ein dem Hund vertrauter Mensch sein. Die Stelle sollte mindestens 36 Stunden NON-STOP beobachtet werden. Mit 80%iger Sicherheit kehrt ihr Hund dorthin zurück, es sei denn, er ist von einem Hundevermehrer gezogen worden, dann fehlt ihm dieses Lernverhalten, was ihm seine Mutter in den ersten 6 Wochen beibringt und zwar aus dem Grunde, da diese Welpen lediglich in kleinen "Gehegen" gehalten werden und keine Möglichkeit haben, ihre Umwelt zu erkunden und nicht gelernt haben, in ihre Wurfkiste zurückzukehren. Dies Verhalten lernen die Kleinen schon, wenn sie noch nicht die Augen geöffnet haben, also bevor sie so ca. 14 Tage alt sind. Bei Hundevermehrern ist dies aber nicht möglich und somit fehlt ihnen schon einmal eine grundlegende Urvariante.

Jeder Hund kann über den Tag verteilt locker +/- 20-30 km zurücklegen, warum nicht auch Ihr Hund???

Kein Hund verhält sich wie der andere Hund!!!

- sie können große Kreise ziehen und immer vom Ausgangsort wieder neu starten
- sie können einfach auf Wanderschaft gehen
- manche Hunde können, auch wenn sie an einem ganz anderen Ort verloren gehen , trotzdem nach Hause finden - andere nicht (siehe oben)
- manche Hunde sind durch ihre Entlaufen so verstört, dass sie gar nichts mehr wissen
- manche Hunde benehmen sich auf einmal wie ganz scheue Hunde
- manche Hunde bewegen sich nur des nachts
- manche Hunde bewegen sich nur tagsüber
- manche Hunde gehen in der Abenddämmerung los und legen sich morgens, wenn die Sonne aufgeht, hin
- manche Hunde wandern einige Stunden - legen eine Ruhepause ein und wandern wieder einige Stunden
- je länger Ihr Hund alleine herumläuft, desto mehr wird er ein geregeltes Hundeleben führen. Er wird sich seinen Tag einteilen und Sie können eine gewisse Regelmäßigkeit bei eventuellen Sichtungen feststellen.
- wenn Ihr Hund sich von seinem Schock erholt hat, wird er die Nähe anderer Hunde suchen - Hundeplätze, Tierheime, Bauernhöfe etc.

Wovon Soll mein Hund denn Leben????
Kann er überhaupt alleine da draußen überleben???


Ja, er kann!!!!!

- er kann Mäuse fressen
- er kann Jagen gehen
- er kann Pferdeäpfel fressen (es sind zahlreiche Stoffe darin enthalten, die der Hundekörper verwerten kann
- er kann Regenwürmer fressen - nicht lachen, die Hunde tun so etwas
- er durchsucht Müllsäcke und Müllansammlungen
- er besucht das Abfallzentrum eines Restaurants
- er besucht die Grillstuben - vorne vor liegt immer etwas Fressbares herum
- er kann kleine Enten jagen und Ähnliches
- er kann Pausenbrote der Kinder aufstöbern
- er findet Katzenfutter
- er kann Futtermittel auf Bauernhöfen finden
- er kann Aas von der Straße und am Wegesrand finden
- es gibt sogar Hunde, die können fischen
- er kann über den am Vormittag stattgefundenen Wochenmarkt laufen
- er kann über den Kirmesplatz laufen - 1000 Leute und keiner sieht den Hund
u.s.w. bei allem was Sie tun, müssen Sie sich vorstellen, Sie sind ein Hund und wichtig ist nur DAS ÜBERLEBEN und dann ist es gar nicht mehr so schwer zu sehen, was der Hund alles fressen kann und tun kann.

Und sagen Sie bitte nicht, Ihr Hund kann so etwas nicht. Es geht um sein Überleben und er ist erfindungsreich und er hat eine supergute Nase, ja klar, er war zutraulich und sozialisiert - aber - wissen Sie was ihm alles auf seinem Weg passierte?? was ihn ängstigte??? was ihn zur Flucht veranlasste????

Es gibt Hunde, die tauchen nach 1/2 oder mehr Jahren auf, vollkommen verwildert, über 200 km und es ist klar, man kann es an ihrem Körper erkennen, sie waren die ganze Zeit frei und kein Mensch hat sie je gesehen..... sind dann aber einmal in Sicherheit dauert es meist nicht lange, und sie legen "einen Schalter um" und sind wieder der Hund, der sie vorher waren.

Dann, eines Tages bekam ich diese Frage gestellt:

> Zu welchen Zeiten patrouilliert so ein entlaufener Hund eigentlich primär?
> Ich dachte immer, Dämmerung = Jagdzeit. Stimmt das?

Das hängt AUCH damit zusammen, wie sie sich ihre Futterquellen organisieren, würde ich sagen.
Die Dämmerungszeit hat nicht nur was mit der Jagd zu tun, sondern z.B. auch mit Umgebungsfeinden oder generell der Umgebung in der sie sich aufhalten.

Wenn wir annehmen, Hund XXXX bewegt sich dort in diesem Gebiet, dann wird sie/er bis längstens 5.00/5.30 Uhr (Uhrzeit muss entsprechend der Umgebung angepasst werden) unterwegs sein. Denn spätestens dann wird die Ecke rege; dann kommen sozusagen die ersten "Umgebungsfeinde".
Dass sie/er sich evtl. auch tagsüber bewegt kann durchaus sein, auch ohne dass sie zwangsläufig jemand bemerken würde. Allerdings denke ich, dass eine Sichtung sehr zufällig wäre und dass sie/er tagsüber lange Streifzüge unternimmt, halte ich für eher unwahrscheinlich. Das hat meiner Ansicht/Beobachtung nach eher immer ganz praktische Gründe, wie z.B. wenn entlaufene oder scheue Hunde angefüttert werden bzw. ihre Futterstellen aufsuchen, oder aber, wenn sie/er in/an ihrem Ruheplatz gestört werden.

Genau dieses Muster ist in unseren ehemals scheuen Hunden grundsätzlich erhalten geblieben:
Tagsüber verlassen wir den sicheren Bau nur, wenn es dafür praktische Gründe gibt, und auch nur solange es nötig ist. Ansonsten ab der Dämmerung, bzw. wenn die "Umgebungsfeinde" sich zurückgezogen haben oder nur noch vereinzelt herumlaufen.

Hund YYYY hatte ebenfalls dieses Bewegungsmuster und zwar innerhalb kürzester Zeit. Die Tagsüber-Sichtungen bei ihm waren hauptsächlich solche, wenn er aus einem Lager aufgeschreckt worden ist. In seinem Waldgebiet gab es auch sehr viele Schlafmöglichkeiten und er hat sie mit Sicherheit öfter gewechselt. Auch Hund YYYY hat sich in unregelmäßigen Abständen immer wieder der Abgangsstelle genähert, vorwiegend früh morgens, obwohl er am Nachmittag durch- und abgegangen war.

Hund ZZZZ wurde meist tagsüber gesichtet und fand sich regelmäßig zu einer bestimmten Zeit - es war die Fütterungszeit des alten Tierheimes - an einer Raststätte (Entlaufstelle) ein. Hund ZZZZ kam sehr nahe, allerdings immer dann, wenn wir beschäftigt waren. Einmal baute ich gerade das Hilfehäuschen auf und sie schnüffelte in meinem Nacken. Ein anderes Mal stand ich da und hatte beide Hände voll mit Dosenfutter. Immer war es aber so, dass wir mit unseren Händen nicht in ihre Nähe gekommen wären.
Schlussendlich haben wir den Tierheimpfleger aus XXXX kommen lassen und nach einem Tag Aufenthalt im Freien kam sie abends zu "unserem Schlafplatz" und lief dann direkt zum Pfleger hin, allerdings bestand hier ein inniger Bezug über mehrere Jahre und Hund ZZZZ war auch 5 Wochen unterwegs.

Hund XYZ lebte über drei Wochen lang irgendwo und es wurden frei nach "Bauch" viele Futterstellen eingerichtet, d.h., sie wurden jeden Tag kontrolliert und jeden 2. Tag - je nach Witterung jeden Tag erneuert. Eine wurde dann nach einigen Tagen konstant besucht. Der Hund wurde nie gesehen, aber die Futterstelle wurde besucht und ob es ein Hund ist, der die Futterstelle besucht, kann mit einigen Tricks ausgeschlossen werden. Man lege das Futter erst aus, wenn der letzte Gassigänger gegangen ist oder aber, wenn Ruhe in den Wald eingekehrt ist und kontrolliere diese morgens früh - bevor die Gassigänger wieder unterwegs sind. In aller Regel kann bei größeren Futtermengen davon ausgegangen werden, dass die Futterstelle von dem gesuchten Hund besucht wird. Es sollte immer so sein, dass die Futterstelle genügend Futter für den Tag aufweist, sodass Hund in diesem Gebiet "gehalten" werden kann. Dann habe wir das Hilfehäuschen aufgestellt und Hund konnte wieder in Sicherheit gebracht werden.

Die Tricks, um sicher festzustellen, dass es ein Hund ist der unseren Futterplatz besucht, liegen auch in der Natur des Hundes: Der Hund ist das einzige Säugetier, welches seinen Futterplatz penibel sauber verlässt. Alle anderen Säugetiere lassen irgendwelche Reste am Futterplatz. Also gehe man hin und verstreue unwillkürlich/willkürlich einige Stücke Futter außerhalb des Hauptfutterpunktes - meine damit im Abstand von 0,5 Meter - und nur, wenn diese Stücke ebenfalls aufgesammelt wurden, kann man sich zu 80% sicher sein, später auch zu 100%, dass die Futterstelle tatsächlich von einem Hund besucht wird. Auch wenn viele Menschen denken, es gibt Füchse, Katzen etc. so kann meist ausgeschlossen werden, dass Fuchs und Katze diese Futterstellen besuchen. Für den Fuchs ist der Menschengeruch viel zu intensiv, für die Katze die Futtermengen zu groß.

Generell ist immer wichtig:
- "Was benötigt der Hund zum Überleben"
- "Was ist aus Hundesicht in dem jeweiligen Gebiet vorhanden"
- "Welche Sicherheit ist für den Hund an dem Futterplatz gegeben"

Die menschliche Logik und das menschliche Verhalten ist dabei ohne jede Relevanz. Denn nach wie vor gilt dabei der Grundsatz: "Jeder Hund ist als Hund perfekt" das haben uns zahlreiche scheue entlaufene udn auch auf den Menschen sozialisierte Hunde schon mehr als einmal bewiesen, in dem sie nach 1,5 oder mehr irgendwo mal auftauchten, angefüttert wurden und schlussendlich wieder in Sicherheit waren. Mitunter gibt es Hunde, die eine Entfernung zur Futterstelle von 20 km pro Tag zurücklegen. Damit dies aber für den Hund lukrativ ist, muss die Futterstelle mehr als Sattmachen!!! Des Weiteren sollte von Anfang darauf geachtet werden, dass man eine Uhrzeit wählt, die dem natürlichen Verhalten des scheuen Hundes entsprechen und gleichzeitig eine Uhrzeit ist, die in unseren Lebensplan hineinpasst und auch von uns konstant eingehalten werden kann. Dieser letzte Punkt ist besonders wichtig. Die Hunde richten sich nach einer mehr oder langen Anfütterungsphase nach unserer Uhrzeit und werden uns irgendwann - ggfs. auch nicht sichtbar für uns - erwarten. Es kann dann trotzalledem noch bis zu 1/2 Stunde und mehr dauern, bis dass der Hund den Mut findet, die Futterstelle aufzusuchen, denn es können ja immer irgendwo - für uns ggfs. nicht hörbar - Umgebungsfeinde lauern.

So, nun könnten wir das Ganze noch beliebig fortsetzen, es ist einfach so und nicht anders bei scheuen entlaufenen Hunden und danach müssen wir uns richten.

Und zum guten Schluss, vergessen Sie nicht, es gibt Millionen von Straßenhunden die ebenfalls einmal ein Zuhause hatten und ebenfalls überleben und vergessen Sie nie, Ihr Hund stammt zu 99% vom Wolf ab.

Copyright (C) Maria Bader, Mönchengladbach

 

 

Hilfe für den Hund am Sylvestertag – oder:

Ist die Menschheit verrückt geworden?!

 

„Alle Jahre wieder...“kommt leider nicht nur das Christ-kind, sondern pünktlich eine Woche später auch die große Knallerei. Weihnachten gilt als stilles und besinnliches Fest, an dem es gar nicht ruhig genug sein kann, selbst unser altes deutsches Liedgut preist die „Stille Nacht, heilige Nacht...“ , aber nur sieben Tage später scheint die Menschheit regelmäßig verrückt zu werden. Es kann gar nicht laut und grell genug werden – ganz gleich, einen wie hohen Preis wir dafür zahlen.

 

Ebenfalls fragt sich alle Jahre wieder der gesunde Menschenverstand, wie es sein kann, dass angesichts (ver)hungernder Menschen und Tiere, einer kriselnden Weltwirtschaft und scheinbar nicht lösbarer Umwelt-probleme, die uns irgendwann alle miteinander mit einem ganz großen Knall ins Jenseits befördern könnten, über-haupt ein Mensch so verrückt sein kann, Geld für Raketen, Böller und Tischfeuerwerk auszugeben?! Ja wissen die Leut` denn wirklich nichts besseres damit anzufangen? Für die ganz Ideenlosen wüsste ich da ein paar Umwelt- und Tierschutzorganisationen, die um jeden Cent dankbar wären. Auch das Frauenhaus,die Welt-hungerhilfe und Aktion Mensch hätten sicher einen besseren Verwendungszweck für die Milliarden, die da alljährlich in die Luft gepulvert werden.

 

Und nun möge mir bloß keiner mit der Tradition kommen! Ach, so vieles wird unter dem Deckmäntelchen der Tradition fortgeführt, so vieles, das man lieber bleiben lassen sollte: Der Stierkampf, die Treibjagd, Pferderennen oder auch die Unterdrückung der Frau, die nach wie vor in vielen Ländern dieser Erde zur guten (?) alten Traditiongehört. Na ja, manchmal ist die Tradition halt auch mehr alt als gut und gehört einfach abgeschafft. Es lohnt, darü-ber nachzudenken.

 

Als Tierhalterin habe ich mir die Knallerei schon als Jugendliche abgewöhnt. Zu sehr taten mir die Hunde (und Katzen!) leid, wennsie sich zitternd unter der Eckbank verkrochen und tagelang nicht mehr aus dem Haus trauten. Ich dachte an die Wildtiere, die ebenfalls voller Angst und Schrecken flüchten und Schutz suchen vor einer nicht benennbaren und nicht verstehbaren Gefahr.

 

In meiner Hundeschule mehren sich jetzt wieder die Anrufe der Verzweifelten, die fragen, ob ich Tipps hätte, wie man mit dem geliebten Vierbeiner die Jahreswende halbwegs schadlos übersteht. Immer wieder stellt man mir die Frage, ob ich mich da auskenne. Oh ja, da kenne ich mich sogar sehr gut aus, denn drei meiner sieben Hunde haben schreckliche Angst und zwei fürchten sich zumindest etwas. Mit den folgenden, jahrelang im Ernstfallerprobten Tipps kommen wir ganz gut über die Runden:

 

Die einfachste Lösung zuerst: Hauen Sie mit Ihrem Hund einfach für ein paar Tage ab. Buchen Sie eine einsame Berghütte irgendwo im Nirgendwo. Das müssen Sie allerdings rechtzeitig tun, denn einsame Berghütten gibt`s bei weitem nicht so viele wie genervte Hundehalter, die diese zur Jahreswende händeringend suchen. Reisen Sie schon ein paar Tage vor Sylvester ab und bleiben Sie auch etwas länger, denn wie wir alle wissen, beginnt die Knallerei schon Tage vor dem ganz großen Spektakel und zieht sich auch noch bis zum zweiten oder dritten Januar hin.

 

Wenn diese Lösung nicht möglich ist, wäre mein wichtigster Tipp, dass Sie Ihrem Hund so viel Ruhe wie möglich vermitteln und durch Idolfunktion vorleben, dass Ihnen der ganze Rummel gar nichts ausmacht. Für mich ist dies zugegeben der schwierigste Part, denn tatsächlich könnte ich jedem, der da draußen rumknallt, ebenfalls eine knallen – kleine Kinder, die noch nicht wissen, was sie tun, ausgenommen.

 

Durch die Stimmungsübertragung beeinflussen wir unsere Hunde ganz enorm, je gelassener Sie also sind, desto eher kann Ihr Hund sich zumindest etwas beruhigen. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass Ihr Hund keine Angst mehr hat, nur weil Sie keine haben, denn ganz so einfach läuft es nicht.Es ist etwa wie bei einem bevorstehendem Besuch beim Zahnarzt, der Ihnen große Angst macht: Ein Partner, der Ihnen Mut zuspricht und Gelassenheit ausstrahlt hilft zumindest etwas – einer der glaubt, man brauche doch keine Angst haben, weil er/ sie ja schließlich auch keine Angst hat, hilft überhaupt nicht, sondern nervt einfach nur.

 

Tipp Nummer zwei steht in direktem Zusammenhang mit Tipp Nummer eins: Haben Sie Zeit für Ihren Hund, stehen Sie ihm durch Anwesenheit zur Verfügung und ermög-lichen Sie ihm das Kontaktliegen, wenner es wünscht. Hierbei müssen Sie aber sehr präzise arbeiten, damit es nicht zu einer so genannten unbewussten Bestätigung kommt. Keinesfalls heißt dies nämlich, dass Sie Ihren Hund auf den Arm nehmen, herumtragen oder auf den Schoß setzen sollen, während Sie ihn streicheln und in endlosen Litaneien bedauern, denn dieses Verhalten würde die Angst Ihres Hundes nur verstärken. Allerdings sollten Sie andererseits auch keinesfalls – wie von manchen Trainern empfohlen – Ihren Hund ignorieren, wenn er Angst hat. Dieser Tipp, der die oben genannte „unbewusste Bestätigung“ verhindern soll, ist weit über das Ziel hinaus geschossen, denn wenn Sie Ihren Hund ignorieren, wenn er Angst hat, was vermitteln Sie ihm dann?! Dass Ihnen seine Angst vollständig egal ist und er sich an jemand anderen wenden muss, wenn er Unterstützung und Schutz braucht –und das ist für eine gute Bindung und ein angestrebtes Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Halter das reinste Gift! Deshalb haben wir seit Jahren ein Ritual eingeführt, das bestens funktioniert:

 

Unser Wohnzimmer wird zu einer Liegelandschaft umgebaut. Zugegeben, bei nur einem Hund oder zweien ist das nicht nötig, es reicht ein bequemes Sofa, aber wir haben ja sieben... Einer von uns hält sich die meiste Zeit über auf der „Liegewiese“ auf, meistens lesen wir oder telefonieren mit Freunden. Die Hunde kommen ganz von selbst und suchen den Körperkontakt, wenn die Knallerei losgeht. Sie legen sich mit hin, dürfen sich ankuscheln und unsere Nähe spüren. Einem von ihnen hilft es besonders, wenn wir ihn mit einer Decke so zudecken, dass nur noch sein Kopf rausschaut – er fühlt sich so eingehöhlt sicherer. Wenn die, die besonders große Angst haben, anfangen zu hecheln oder uns anzupföteln, reagieren wir darauf nur geringfügig und sagen einfach nur kurz „Ist schon o.k.“ oder ähnliches und strahlen weiterhin heitere Gelassenheit aus. Um diese Stimmung zu erzeugen, helfen übrigens Bücher des Dalai Lama ausgesprochen gut!

 

Zusätzlich läuft bei uns der Fernseher in einer Lautstärke, die gut erträglich ist, aber doch den Lärm von draußen zumindest teilweise abmildert. Diese Geräuschkulisse kann die Knallerei natürlich nicht übertönen, dann würden uns – und besonders unseren Hunden, deren Gehör viel feiner ist – ja die Ohren weh tun. Aber sie verhindert eine allzu starke Fokussierung auf die Knallgeräusche. Der besondere Tipp: Auf 3 SAT laufen jedes Jahr ab 11.00 Uhr vormittags bis weit nach Mitternacht Mitschnitte von tollen Live-Konzerten der vergangenen Jahre. Echte Sahnestücke der Musikgeschichte, von Phil Collins über U2, Michael Jackson, Pink oder Tina Turner, es ist für soziemlich jeden Musikgeschmack etwas dabei.

 

Sehr hilfreich ist auch eine CD, die es als Beigabe zu dem Buch „Mit den Ohren eines Hundes“ (sehr zu empfehlen!) gibt. Die auf ihr zu hörende Musik wurde nach jahrelangen Forschungen auf dem Gebiet der Psycho-Akustik arrangiert und ist speziell auf das akustische Wahr-nehmungsvermögen von Hunden abgestimmt. Sie wirkt beruhigend und wird bereits erfolgreich in Tierheimen, Hundepensionen und Tierkliniken eingesetzt.

 

Sobald es am Nachmittag auch nur ansatzweise dämmrig wird, machen wir überall im Haus das Licht an, um die von draußen kommenden Lichtreflexe zu mildern. Sollten Sie Gardinen oder Rollos haben, sollten Sie diese schließen. Manchmal hört man den Tipp, mit dem Hund am besten in den Keller zu gehen, im Idealfall in einen Keller ohne Fenster. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn Sie das nicht ausschließlich zu Sylvester tun – sonst kann es schnell passieren, dass der Hund bereits das Herunter-gehenin den Keller fürchtet, weil es für ihn in direktem gedanklichen Zusammenhangmit der Knallerei steht. Sollten Sie aber eine Art eingerichteten Hobbyraumhaben, den Sie regelmäßig nutzen, kann es tatsächlich hilfreich sein, Sylvester dort unten zu verbringen, bis gegen 2.00 oder 3.00 Uhr nachts zumindest die schlimmste Knallerei vorbei ist.

 

Die Gassi-Runden reduzieren wir auf kurze Gänge in der Nähe des Hauses, damit die ängstlichen Hunde das Gefühl haben, jederzeit auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause zu können. Ist „die Fluchtburg“ in kürzester Zeit erreichbar, fühlt sich so mancher Hund zumindest etwas besser. Wenn Sie einen Garten haben, können Sie das Rausgehen auch auf diesen beschränken. Wir gehen am 31. Dezember immer eine ganz lange Runde sehr früh am Morgen, so gegen 6.00 Uhr – da ist es noch weit-gehend ruhig. Danach bleiben wir mit den ängstlichen Hunden auf unserem Grundstück.

 

Wenn Sie einen Hund haben, der in Panikattacken verfällt, wenn er es – selbst in größerer Entfernung – knallen hört, dann führen Sie ihn an den Tagen rund um Sylvester mit doppelter Leinensicherung und bleiben Sie in der Nähe Ihres Hauses oder Ihres offen stehenden (!) Autos, denn für diese Hunde ist das Erreichen „der Fluchtburg“ eine Frage des Überlebens.

 

Von der häufig empfohlenen Gabe von Medikamenten möchte ich dringend abraten! Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass jedes Psychopharmaka eine so genannte Umschlagwirkung zeigen kann. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Hund nicht beruhigt, sondern ganz im Gegenteil, jetzt erst richtig hoch gefahren wird. Der Kreislauf wird aktiviert, der Puls rast wie verrückt, der Hund kommt nicht mehr zur Ruhe und der so gestresste Organismus nimmt die Außenreize durch die Adrenalin-ausschüttung noch stärker wahr. Vor ein paar Jahren wurde ich am Sylvesterabend von einer völlig verzweifelten  Hundehalterin angerufen, bei deren Eurasierer-Rüden genau das passiert war. Der Hund drehte völlig durch, speichelte, raste fieberhaft nach Unterschlupf  suchend durch das Haus und war kaum noch ansprechbar. Die Tierärztin, die das  Mittel verschrie-ben hatte, empfahl am Telefon, den Hund in die Praxis zubringen, was vollkommen ausgeschlossen war für die Halterin, weil er sich nicht   einmal mehr anfassen ließ, ohne deutlich drohend zu fletschen – was er übrigens sonst nie tat! Als ich nach halbstündiger Fahrt dort ankam, war der Hundbereits so durchgedreht, dass ich einen Kreislaufkollaps befürchtete. Uns blieb also nichts anderes übrig, als uns auf den Hund zu stürzen, ihn – halb im Würgegriff – ins Auto zu zerren und in die Klinik meines Vertrauens zu bringen. Dort wurde er in Narkose gelegt, um ihn erst einmal ruhig zu stellen. Dann wurde er an den Tropf gehängt, um die Wirkstoffe in seinem Körper möglichst schnell auszuschwemmen. Es dauerte mehr als 14 Tage, ehe dieser Hund sich  halbwegs erholt hatte und sein Frauchen und mich wieder vertrauensvoll an sich heran ließ. Er war damals fünf Jahre alt und ich kannte ihn seit seiner Welpenzeit. Er hatte uneingeschränktes Vertrauen zu mir und seiner Halterin bis zu diesem Abend gehabt...

 

In einem anderen Jahr rief mich am 05. Januar eine Dame an, deren Hund sich seit Sylvester völlig verändert hatte. Er zitterte, sobald er nur angesprochen wurde und reagierte extrem auf jegliche Außenreize,die mit Geräuschen oder Licht zu tun hatten. Er flüchtete zum Beispiel in Panikunter den Küchentisch, als vor dem Haus die Straßenlaterne anging. Beim Beratungsgespräch stellte sich dann heraus, dass auch dieser Hund auf Anraten eines befragten Tierarztes Medikamente verschrieben bekommen hatte. Er wählte ein Mittel aus, dass hauptsächlich auf der Basis eines Muskelrelaxans wirkte, das Bewusstsein aber kaum beeinflusste. Im Klartext bedeutete dies, dass dieser arme Hund, der schon immer große Angst vor Sylvester hatte, alles um sich herum mitbekam, aber unfähig war, sich zu bewegen. Gefangen im eigenen Körper konnte er weder hecheln, noch herumlaufen oder sich verkriechen, so wie er es sons timmer getan hatte. Die Folgen waren fatal – dieser Hund erlitt ein Trauma, von dem er sich nie mehr richtig erholte.  Er hatte für den Rest seines Lebens Probleme und die Halterin verfluchtete den Tag, an dem er das „Beruhigungsmittel“ bekommen hatte.

 

Ich könnte noch einige solcher Beispiele nennen, die ich im Laufe der Jahre miterlebt habe. Es waren weit mehr als nur diese beiden und aus diesem Grund würde ich die Gabe von Medikamenten nicht empfehlen. Ich kenne keinen einzigen Hund, der sich nicht über kurz oder lang wieder erholt hätte nach der Knallerei – aber einige, die durch Medikamentengabe traumatisiert wurden. Selbst-verständlich gibt es auch Hunde, die die Medikamenten-gabe gut vertragen – nur weiß man vorher nicht, ob es so sein wird und mir ist das Risiko für die mir anvertrauten Tiere definitiv zu groß, falls es nicht so sein sollte.

 

Hingegen macht eine Kollegin von mir recht gute Erfahrungen mit der Gabe von Bach-Blüten. Suchen Sie sich einen seriösen Therapeuten, der eine individuelle Mischung für Ihren Hund zusammenstellt. Die im Handel erhältlichen, fertigen Mischung möchte ich Ihnen nicht empfehlen, da sie der eigentlichen Lehre Bach`s und seinem Verständnis über die Wirkung der Blütenmittel nicht entsprechen. Eine Umschlagwirkung ist hier nicht bekannt, es soll aber nicht verschwiegen werden, dass es in seltenen Fällen zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen kann, ähnlich wie wir sie aus der Homöopathie kennen. Sollte diese gerade an Sylvester auftreten, wäre das natürlich fatal. Deshalb ist eine vorherige Gabe zum Ausprobieren empfohlen.

 

Einigen Hunden hilft auch der D.A.P.-Stecker rech tgut, der im Fachhandel erhältlich ist. D.A.P. ist die Abkürzung für Dog Appeasing Pheromone. Diese Pheromone sind Duftstoffe, die eine Mutterhündin während der Laktations-phase zwischen der Milchleiste absondert und die beruhigend auf die Welpen wirken. Man fand heraus, dass diese Wirkung auch noch bei erwachsenen Hunden eintritt und schließlich gelang es, diese Pheromone zu synthetisieren. Steckt man nun diesen Stecker in die Steckdose, wird der Geruch der Pheromone ausgeströmt. Wichtig ist hierbei allerdings, dass Sie dem Hund die Gelegenheit geben, den Raum zu verlassen, wenn er das wünscht, denn nicht alle Hunde mögen diesen Geruch und nicht auf alle wirkt er beruhigend! Beobachten Sie Ihren Hund, ob er sich freiwillig in die Nähe des Steckersbegibt und tatsächlich ruhiger wird oder ob ihm dieser Geruch völlig egal zu sein scheint oder er sogar den Raum verlässt. Auch hier ist es sinnvoll, nicht erst am Sylvesterabend auszuprobieren, welche Reaktionen Ihr Hund zeigt, fangen Sie ruhig schon ein bis zwei Wochen vorher damit an. Auf gar keinen Fall sollten Sie die ebenfalls erhältlichen D.A.P.-Halsbänder verwenden, denn einma langelegt kann der Hund sich eben nicht mehr frei entscheiden, ob er den Geruchsucht oder meidet, sondern ist ihm ausgeliefert. Interessant ist, dass der Hersteller anfangs, als es nur die Stecker gab, selbst ausdrücklich darauf hinwies, wie wichtig es ist, dem Hund die Möglichkeit zum Ausweichen zu geben.Trotzdem hat er dann die Halsbänder und auch noch ein Spray auf den Markt gebracht. Man macht sich so seine Gedanken, was hinter diesem Sinneswandel steckt...

 

Für viele Menschen ist übrigens unklar, warum Hunde gerade vor Sylvester so große Angst haben. Manchmal sogar solche, die zum Beispiel keine Probleme mit Schüssen oder Gewitter haben. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass durch die Knallerei gleich mehrere Sinne deutlich überstrapaziert werden: Der Gehörsinn durch den Lärm, der Gesichtssinn (die Augen) durch die ungewohnten und in großer Anzahl auftretenden Lichtreflexe und der Geruchssinn durch den Gestank, den die Böller verursachen und der ebenfalls ungewohnt ist für den Hund.

 

Abschließend wünsche ich Ihnen und Ihrem Hund (oder Ihren Hunden) eine möglichst ereignislose Sylvesternacht und hoffe, dass die hier zusammengefassten Tipps helfen, mit möglichst viel Ruhe und Frieden ins neue Jahr zu kommen!

 

Clarissa v. Reinhardt

www.animal-learn.de

 

 

P.S. : Als Autorin erlaube ich ausdrücklich, diesen Text ungekürzt, unverändert und unter Nennung der o.g. Quelle weiträumig zu verbreiten. Wenn Sie ihn erhalten haben, freue ich mich, wenn Sie ihn an Freunde und Bekannte weiter schicken, ihn in Foren oder auch gern auf Ihre eigene Homepage stellen. Sie dürfen ihn auch ausdrucken, kopieren und verteilen. Desto mehr Menschen er erreicht, desto mehr Tieren kann hoffentlich geholfen werden


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